echte nachhaltigkeit.
Nachhaltigkeit ist derzeit eines der absoluten Trendthemen. Ich glaube, dass es viele auch ehrlich gut gemeinte Ansätze gibt, doch seitdem das wachsende gesellschaftliche Interesse „Nachhaltigkeit“ zum trendigen Werbeetikett gemacht hat, werden auch viele dubiose Marketingtrickser angelockt.
An dieser Stelle will ich von meinem Ansatz für eine echte Nachhaltigkeit erzählen. Ich glaube, dass mit den folgenden Maßnahmen eine authentische, nachhaltige Praxis entstehen kann, die nicht nur umweltfreundlich ist, sondern uns auch wieder zurück zu einer tieferen Verbindung zu den Materialien, der Natur und der Gemeinschaft bringt.
Nachhaltigkeit. Nach-halten.
Werte, die anhalten, die bleiben.
Damit Begriffe wie „fairtrade“, „umweltfreundlich“ und „ethically sourced“ nicht – wie leider allzu oft – zu leeren Buzzwords werden, braucht es mehr als ein Lippenbekenntnis. Nachhaltigkeit nützt niemandem etwas, wenn diese nur ihrer selbst willen pseudo-praktiziert wird.
Gerade unsere Vorfahren aus vormoderner Zeit können uns dabei gute Vorbilder sein: Im Grundsatz stelle ich mir beim Thema Nachhaltigkeit die Frage, wie wir insgesamt – als Gewerk, Wirtschaftsraum und Menschheit – mit den uns gegebenen Ressourcen sinniger umgehen können.
Mein erster Schritt ist hierbei, Materialien zu verwenden, die nicht erst abgebaut werden. „Ecofriendly Fairtrade“ ist zwar nachhaltig, aber gar nicht erst abbauen zu müssen, ist für mich noch nachhaltiger. Ich setze insbesondere bei Edelmetallen auf Material, das sich bereits im Kreislauf befindet – kurzum, recyceltes Material. Daher beziehe ich meine Roh-Edelmetalle ausschließlich von Scheideanstalten, die nach deutschen Umweltstandards Altmetall aufbereiten und purifizieren – Stichwort „urbanmined“.
Die allermeisten Edelsteine, die ich verwende, stammen aus Auflösungen, Altbeständen, wurden aus ausrangierten Tresoren geholt oder aus abgelebtem Schmuck ausgefasst und/oder neu geschliffen; und sind dabei oftmals unzählige Meilen und etliche Jahrzehnte gereist, haben nun verstummte Geschichten aufgesogen, bis sie letztlich etwa in einem meiner Schmuckarbeiten weitergetragen werden. Neben der individuellen Aufladung dieser Edelsteine würdigt dieses Konzept diese aus Erdzeitaltern und Menschenwillen entstandenen Kostbarkeiten und bietet zudem eine besondere zusätzliche Erzählebene.
Wenn ich aber Edelmetalle oder Edelsteine verwende, die neu abgebaut werden, dann greife ich ausschließlich auf Herkunftsmaterial zurück. Das heißt, dass alles an Edelmetall und Edelsteinen zurückverfolgt werden kann. Hierbei ist es mir wichtig, dass ich die Quellen kenne und den gesamten Prozess von der Mine bis zum Werkbrett vertreten kann. Mehr dazu unter dem Punkt Integrität.
Vor allem aber reizt mich an recyceltem und an Herkunftsmaterial der Gedanke seiner Vorgeschichte. Seit die Menschen solches kostbares Stück Materie irgendwo aus dem Schoß der Erde holten, nahm es auf die eine oder andere Weise an der Welt der Menschen teil und ging mitunter durch etliche Hände und Länder. Manchmal stelle ich mir vor, dass einige der Silberatome in einem quadratischen Ohrstecker von den spanischen Conquistadoren aus der Neuen Welt nach Europa gebracht wurden; oder dass ein paar Goldatome in einem Ring irgendwann bereits ein Schmuckstück der Pharaonen waren und Jahrtausende später über die arabischen Eroberungen als Amulett bis nach Europa getragen wurden.
Langfristig will ich zeitlose Designs schaffen, die den wechselnden Trends widerstehen; die bewahrt und weitergereicht werden. Denn wirkliche Nachhaltigkeit heißt nicht nur, alles zu recyclen, sondern auch Objekte zu fertigen, die lange halten und nicht der Wegwerfmentalität unterliegen. Mein Leitmotiv ist hier „Qualität statt Quantität“ – handwerklich, künstlerisch und designerisch. Ich reflektiere regelmäßig meine Praktiken und passe sie kontinuierlich an neue Erkenntnisse und Technologien an. Auch viele der traditionellen Techniken, die ich nutze, sind umweltfreundlich und verbrauchen meist wenig Energie. Diese Methoden sind oft nachhaltiger als industrielle Prozesse.
Damit die Komponenten meiner Schmuckstücke, wenn nötig, ersetzt werden können, muss man gegebenenfalls mehr Gedanken und Aufwand in Entwürfe und Vorproduktion stecken. Für mich ist das jedoch selbstverständlich und schon lange integraler Bestandteil meines Gestaltungsanspruchs. Ich strebe nach einer technischen Minimalismus-Philosophie, die eine Reduktion des Materialeinsatzes umfasst, ohne die Qualität oder Aussagekraft meiner Arbeiten zu beeinträchtigen.
Und schließlich meint Nachhaltigkeit auch, mit den eigenen Kräften und denen der Mitarbeitenden hauszuhalten. Mehr Marathon und nicht Sprint. Mittel- bis langfristig mehr erreichen. Ich setze auf gute Werkzeuge, die lange halten, und pflege sowie warte diese sorgfältig. Genauso wichtig sind mir die Kontakte zu Geschäftspartnern, Kooperationen, Kundinnen und Kunden. Daher ist es entscheidend, nachhaltige Partnerschaften einzugehen und mit verantwortungsvollen Anbietern zusammenzuarbeiten, die sich ebenfalls für ethisch vertretbare Praktiken einsetzen.
Über meine eigene gestalterische Praxis und mein Netzwerk hinaus, ist ein zentraler Aspekt meiner Nachhaltigkeits-Philosophie die Bildung und Aufklärung.
Transparente Kommunikation über die Hintergründe meiner Materialwahl und Herstellungsprozesse schafft Vertrauen und sensibilisiert für nachhaltige Praktiken.
Ich gebe auch Workshops und Vorträge, die das Bewusstsein für eine echte Nachhaltigkeit fördern und andere inspirieren, ähnliche Wege zu gehen.